Conrad Schnitzler

Conrad Schnitzler – Album „Con“ CD/LP/DL erscheint auf Bureab B

Anfang der 70er kaufte sich Schnitzler seinen ersten Synthesizer – damals eine große Investition. Mit der Einführung der Musikkassette wurde die Vervielfältigung und Distribution ohne Plattenfirma möglich, Schnitzler erkannte das über die bloße Reproduktion hinausgehende kreative Potential dieses Mediums. Er baute sich die „Kassettenorgel“ – 12 Kassettenrekorder in zwei Koffern als Werkzeug für seine seine musikalischen Collagen. Ende der 70er konnte man ihn auf dem West-Berliner Kurfürstendamm treffen mt umgehängten Kassetterecordern und Batterie-Lausprecher, ausdem seine Musik erklang. Die Kassetten konnte man gleich kaufen. Mehr „independant“ geht nicht.

Wie kommt so jemand in ein kommerzielles Studio? Das Paragon Studio hatte sich Peter Baumann nach dem
kommerziellen Erfolg von Tangerine Dream eingerichtet. Baumann war Schnitzlers Nachfolger. Schnitzler hatte die
Band nach ihrer ersten LP verlassen, weil für ihn das kreative Potential damit erschöpft war. Man war aber weiterhin in Freundschaft verbunden. Das Studio war nicht permanent ausgelastet und Baumann nutzte die freie Zeit für
Experimente. So stand dann Conrad Schnitzler mit einem kleinem Korg Synthesizer, einem Sequencer und seinem
EMS Synthi (der im Aktenköfferchen) vor der Tür. Alles passte auf sein Lastenfahrrad. Als disziplinierter Arbeiter, der er war, hatte er alsbald auch ein vorzeigbares Ergebnis. Ein Ergebnis, das sich auch für ein breiteres Publikum auf Platte pressen ließ. Das war für Schnitzler selbstverständlich, dass er dem Studio etwas wenigstens ein bißchen kommerziell verwertbares zurückgeben musste für die Chance, dort zu arbeiten. Das konnte sogar Spaß machen. Das zeigt Con 3. die letzte der bei Paragon entstandenen Platten – Schnitzlers freundlich humorvolle Annäherung an die Neue Deutsche Welle. Als Allerdings die Plattenfirmen mit den branchenüblichen Verträgen kamen, die Schnitzler zu Fernsehauftritten oder Interviewterminen verpflichtet hätten, brach wieder sein Drang nach Unabhängigkeit durch. Die hat er nie unterschrieben.

Die Zeit im Paragon Studio mit seinem Tontechniker Will Roper, für den die Arbeit mit Schnitzler eine Gelegenheit war, seine Fähigkeiten im Bänder manipulieren, schneiden, Schleifen kleben, unter Beweis zu stellen, endete mit dem Verkauf des Studios und Peter Baumanns Umzug in die USA.

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