Das rote Album erschien 1973 und war Schnitzlers erstes Soloalbum. Nun veröffentlicht Bureau B das Album als Ltd Rote Vinyl Edition. VÖ: 22.09.23
Das rote Album („Rot“) ist Schnitzlers erstes Soloalbum. Aber schon drei Jahre vorher (1970) war er
als Mitglied von Tangerine Dream an deren erster Veröffentlichung „Electronic Meditation“ beteiligt
gewesen. Auch hatte er bereits zusammen mit Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius die
Gruppe Kluster gegründet, die ebenfalls mit ihrem ersten Album „Klopfzeichen“ erhebliches
Aufsehen erregt hatte. Auf „Rot“ jedoch formuliert Schnitzler nun kompromisslos seine ganz eigenen
Vorstellungen von elektronischer Musik. Als Gefolgsmann des Aktions- und Objektkünstlers Joseph
Beuys hatte Schnitzler auch dessen „erweiterten Kunstbegriff“ übernommen, bei dem der gesteuerte
Zufall eine wesentliche Rolle spielt. Schnitzler nämlich erweiterte den Begriff „Musik“. Oder anders
gesagt: Er pfiff auf alle bis dahin gültigen Musikregeln, stellte seine eigenen auf bzw. machte die
gezügelte Regellosigkeit, den eingeschränkten Zufall zum Konzept. Die Improvisation wurde wichtig.
Nicht nur die Tatsache, dass Schnitzler ausschließlich synthetische Klänge und Geräusche
verwendet, ist das Aufregende an seiner Musik; auch die scheinbar chaotischen Bewegungen ihrer
mikroskopischen Klangpartikel führen den Hörer in eine paradoxe, ebenso kristalline wie lebendige
künstliche Welt. Fremdartiger ging es kaum. Schnitzler ließ mit seinem Erstling fast alle Künstler, die zeitgleich in musikalisches Neuland vorstießen, an Radikalität hinter sich. Er beließ es nicht bei psychedelischen Soundtracks, sondern stellte auch diese noch mit seinem unbeugsamen Willen zur
Kunst auf den Kopf. Die für Schnitzler so typischen Klangkaskaden und der durchsichtige Sound
waren und blieben einzigartig, niemand hat es ihm mit solcher Konsequenz jemals nachgemacht.